Eine Mediatorin auf der Flucht - Oder: über die Bedeutung der Körpersprache

Eine Mediatorin auf der Flucht - Oder: über die Bedeutung der Körpersprache

Eine Mediatorin auf der Flucht - Oder: über die Bedeutung der Körpersprache

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir bei meinem gestrigen Hundespaziergang ;-). Ich hatte dabei nämlich das folgende Erlebnis: 

Als Hundehalter trifft man im Wald ja immer wieder auf andere Hundehalter. Oft ist dies eine Begegnung, die Konflikte birgt, aber in meinem Fall eher selten bzw. nie, da ich einen sehr freundlichen und verträglichen Hund habe. So komme ich oft mit anderen Hundehaltern ins Gespräch, man unterhält sich nett, beschließt, die Hunde spielen bzw. laufen zu lassen und schaut ihnen dabei zu. 

So auch gestern: Ich traf bei meinem Waldspaziergang einen Mann, dessen Hündin sich prima mit meinem Rüden verstand und toll mit ihm spielte. So kam es also, dass ich, während die Hunde spielten, mit dem Herrchen ins Gespräch kam. Es war ein für diese Art von Begegnungen sehr typisches Gespräch: Jeder erzählte ein bisschen über seinen Hund: Wie alt er ist, welche Rasse er ist und wie man zu dem Tier kam usw. Oft geraten wir Hundehalter in diesen Gesprächen ins Schwärmen über unsere eigenen Hunde ;-).

So weit so gut. Was für mich an dem Gespräch jedoch unangenehm war, war die Tatsache, dass das Herrchen während seiner Schilderungen immer näher kam und den Abstand zwischen uns auf ein -für mich unangenehmes Maß- verringerte. In einer anderen Situation hätte mir dieser Abstand vielleicht nicht viel ausgemacht, aber mit einem wildfremden Mann im Wald stehend, war mir das Ganze einfach viel zu dicht.

Ich machte also einen leichten Schritt zur Seite, um einen für mich angenehmen Abstand zu schaffen. Dies merkte der Herr jedoch nicht und rückte wieder einen Schritt nach, um den Abstand wieder zu verkleinern. Daraufhin trat ich wieder meinen "Fluchtschritt" an.

Ein Aussenstehender hätte seine Freude an der Szene gehabt, einem aufmerksamen Beobachter müsste meine Flucht schon sehr deutlich aufgefallen sein, aber mein Gesprächspartner nahm dies gar nicht zur Kenntnis und erzählte weiter begeistert von den tollen Eigenschaften seines Hundes. Dieses "Spiel" wiederholte sich dann noch einige Male, bis mich das Ganze doch ehrlich gesagt etwas nervte und ich nach einer höflichen Verabschiedung das Weite suchte.

Einem wildfremden Menschen sagt man natürlich -in einem eigentlich netten Gespräch- nicht: "Jetzt rücken Sie mir mal nicht so auf die Pelle!". Da erschien mir das Weitergehen doch als angemessenere Maßnahme. ;-) An anderer Stelle kann ein solcher Satz - je nach Situation als Scherz oder auch ernst verpackt- aber auf jeden Fall Sinn machen, wie ich finde! Wenn Sie merken, dass jemand in Gesprächen Ihre Grenzen verletzt, kann ich nur dazu ermutigen, dies auch anzusprechen. 

Nun aber zurück zu meinem Hundegassibeispiel: Es hätte gar nicht zum Abbruch des Gesprächs kommen müssen, es hätte ein nettes Gespräch unter Hundefreunden werden können, während die Hunde toll weitergespielt hätten. 

Ich möchte dieses Beispiel heute nicht mit detaillierten Ausführungen über die Körpersprache verbinden. Ich möchte vielmehr in diesem Beitrag daran erinnern, wie wichtig es ist, dass wir in Gesprächen unserem Gegenüber zuhören und zwar nicht nur mit den Ohren! Durch das aufmerksame Beobachten und Wahrnehmen der Körpersprache unseres Gesprächspartners können wir so vieles erfahren - oft wesentlich mehr als durch die Worte selbst! Häufig kündigt sich Abwehr und Ablehnung in einem Gespräch schon sehr lange durch Gestik und Mimik an, bevor sich der Gesprächspartner ein Herz fasst und diese auch verbal ausdrückt. 

Daher sollten wir im Gespräch folgende Fragen im Hinterkopf behalten: Ist dem Anderen das Gespräch mit mir wirklich angenehm? Interessiert ihn das Thema über das ich spreche? Bin ich dem Gesprächspartner mit dem was ich sage vielleicht zu nahe getreten? Kann er es eigentlich kaum erwarten, das Weite zu suchen, oder klebt er förmlich an meinen Lippen? Welche Körpersprache des Anderen nehme ich wahr? Kurz: Einfach zuhören, schauen und wahrnehmen - achtsam sein.

Ich denke, wir kennen das alle: Manchmal sind wir so im Reden drin, im Darstellen unserer -wie wir finden- spannenden Geschichten, dass die Frage: "Wie fühlt sich der Andere gerade im Gespräch, welche Signale sendet er aus?" in den Hintergrund gerät. Man ist im Redefluss, vielleicht auch manchmal ein bisschen im Selbstdarstellungsmodus und das Wahrnehmen gerät leider so völlig außer Acht.

Jetzt denken Sie vielleicht: Ich kann ja nicht nur noch Gespräche führen, die für das Gegenüber angenehm sind! Nein, natürlich muss man manchmal auch Themen wählen, die der jeweilige Gesprächspartner nicht extrem angenehm findet, aber gerade auch bei schweren Themen sollte man dem Anderen mit Augen und Ohren zuhören, um zu schauen, "Wie weit kann ich im Gespräch gehen?", "Ist es Zeit für eine kleine Gesprächspause?" usw. 

Ich nehme mich hier selbst nicht heraus, im Privatleben gelingt es mir auch nicht immer, ein absolut achtsamer Zuhörer zu sein. Manchmal ist man im Stress, in Gedanken und nur mit halber Aufmerksamkeit im Gespräch dabei und schon entgehen uns die Signale, die der Andere aussendet. 

In meinem Beruf als Mediatorin ist das achtsame Zuhören natürlich ein absolutes Muss! Hier gehört es in meinen Kundengesprächen zum Handwerkszeug dazu, die Mimik und Gestik meiner Kunden im Auge zu behalten. So vieles Unausgesprochenes, so viele Emotionen kann ich hierüber erkennen. Ob es die Ehepartner sind, die sich gar nicht mehr in die Augen schauen können oder ein Kunde ist, der während der Mediation mit dem Kulli auf den Tisch klopft oder die Kundin, die mit verschränkten Armen dem Mediationstermin beiwohnt - Ich finde in der Körpersprache meiner Klienten ganz viele für das Mediationsverfahren wertvolle Informationen. 

Daher lautet mein Appell heute an uns alle: Lassen Sie uns doch einmal versuchen, in Gesprächen vermehrt achtsam zu sein: noch besser zuzuhören und auch wirklich hinzuschauen. Lassen Sie uns versuchen, Gespräche zu führen, in denen der Fokus immer mehr auf Wahrnehmung des Anderen liegt. 

Kennen Sie solche Situationen auch, in denen Sie mit Ihrer Achtsamkeit so gar nicht beim Gesprächspartner sind? Oder Situationen, in denen Sie merken, dass der Gesprächspartner die Signale, die Sie aussenden so gar nicht wahrnimmt? Über Ihre Kommentare und Rückmeldungen sowie über kräftiges Teilen des Beitrages freue ich mich wie immer sehr :-)!

Herzlichst,

Ihre Christina Wenz

 

 

 

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Kommentare (2)

  1. Claudia Heipertz:
    Dec 05, 2016 at 05:28 PM

    Liebe Christina,
    ich musste schmunzeln, als ich deine Geschichte las. Ich kenne dieses Auf-die-Pelle-Rücken sehr gut und habe eine ähnliche ich Erfahrung gemacht. Wenn ich ausweiche, folgen sie. Irgendwann habe ich das Experiment gemacht, einen Schritt auf den "Verfolger" zuzumachen. Was dann geschah, hat mich überrascht. Er wich aus und machte keinen weiteren Schritt mehr auf mich zu. Von nun an respektierte er meinen Raum. Das funktioniert bei Hunden und bei Menschen;)
    Liebe Grüße
    Claudia

  2. Christina Wenz:
    Dec 05, 2016 at 05:32 PM

    Liebe Claudia, ich danke Dir von Herzen für den wertschätzenden Kommentar und den tollen Tipp! Das werde ich definitiv testen, hört sich nach einer sehr guten Methode an :-)! Klasse! Herzliche Grüße, Christina


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Wer schreibt hier?

Mediation Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin, Konfliktcoach und Juristin. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an Universitäten ist sie in eigener Mediationskanzlei tätig. Sie hilft ihren Kunden dabei, sich aus schwierigen Konfliktsituationen zu befreien und damit wieder mehr Wohlbefinden und ein entspannteres Leben zu erlangen. Neben Mediation in der Familie und der Mediation in der Arbeitswelt ist ihr besonderes Steckenpferd die Mediation bei Streitfällen rund ums Tier.

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