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Im Interview mit der Rheinpfalz berichtet die Mediatorin Christina Wenz über die immer häufiger gefragte Elder Mediation.

Familiäre Konflikte belasten extrem

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Die sogenannte Elder Mediation, die sich mit den Folgen des Alterns beschäftigt, wird immer stärker nachgefragt. Dabei kann es beispielsweise um Konflikte in der Familie um die Pflege eines Elternteils gehen. Die in Kaiserslautern tätige Mediatorin Christina Wenz erläutert im Interview, wie Mediation Betroffenen helfen kann und was zu beachten ist.

Frau Wenz, laut jüngstem DAK-Pflegereport fühlen sich viele pflegende Angehörige überlastet. Jeder Fünfte ist demnach sogar in einer depressiven Phase. Wie ist das zu erklären?

Das kann man nicht pauschal sagen. Ich erlebe in meinen Mediationsgesprächen natürlich immer nur Einzelfälle. Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, sind meist große Überforderungsgefühle bei den nahen Angehörigen spürbar. Das Ungewisse belastet die Menschen. Dazu kommen oft körperliche Beschwerden, also Kopfschmerzen oder Schlafstörungen.


Wie kann hier eine Mediation helfen?

In der Pflege steckt ein großes Konfliktpotenzial. Wenn sich plötzlich Kinder um die Pflege der eigenen Eltern kümmern müssen, kann längst vergangener Streit wieder aufbrechen. Oft erlebe ich auch, dass Kinder sehr stark bemüht sind, den Bedürfnissen der Eltern gerecht zu werden. Das kann schnell zur Überforderung der pflegenden Angehörigen führen. Auch die Finanzierung der Pflege kann schnell in Streit münden, etwa wenn es um die Frage geht, wer welchen Beitrag leisten kann. Ein Gang vor Gericht verschlimmert oft die Belastung noch, da Verfahren lange dauern können. Ein schnelleres und günstigeres Verfahren ist hier die Mediation. Der Konflikt kann dann in einer sogenannten Elder Mediation geklärt werden.


Was ist darunter genau zu verstehen?

Die Elder Mediation behandelt alle Konflikte, die mit den Folgen des Alterns zu tun haben. Das können neben Problemen der Pflege auch Konflikte am Arbeitsplatz in generationsübergreifenden Teams sein oder Altersdiskriminierung in Unternehmen. Auch der Konflikt eines Ehepaares, wenn ein Partner in den Ruhestand geht, fällt darunter. Häufig können auch Situationen in Patchworkfamilien Anlass für eine Elder Mediation bieten, etwa wenn der Nachlass geregelt werden soll und ein Elternteil mit neuem Partner das Vermögen für die leiblichen Kinder sichern will. Auch in Pflegeheimen kann es Ärger geben, wenn sich zum Beispiel Pflegende schlecht versorgt fühlen.


Wie gehen Sie bei einer Elder Mediation vor?

Das Verfahren ist grundsätzlich identisch mit der klassischen Mediation. Zunächst schildern die Betroffenen das Problem und es wird geschaut, ob Mediation hier überhaupt helfen kann und von allen erwünscht ist. Es werden Regeln zur Vertraulichkeit und die zu behandelnden Themen festgelegt. Damit müssen alle Teilnehmer einverstanden sein. Erst dann werden alle Fakten gesammelt.


Was heißt das konkret im Fall eines Streits zwischen pflegenden Angehörigen?

Hier muss geschaut werden, was die Ausgaben für die Pflege sind und welche Einnahmen dem gegenüberstehen und wie die Lebenssituation der Betroffenen ist. Das löst bei den Teilnehmern oft einen Aha-Effekt aus. Erst danach werden die Bedürfnisse jedes einzelnen eruiert. Oft ist es so, dass nicht alle Kinder in der Nähe der Eltern leben. Daraus ergeben sich ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wenn dies alles klar ist, kann eine Lösungssuche beginnen. Zunächst werden Ideen gesammelt und danach geschaut, welche Lösung anhand der Bedürfnisse am besten passt. Am Ende müssen alle einverstanden sein. Mit einer Unterschrift aller Beteiligter wird daraus ein bindender juristischer Vertrag.


Wie oft haben Sie in ihrer Arbeit als Mediatorin mit Fällen der Elder Mediation zu tun?

Ich denke, das ist mehr als die Hälfte der Fälle, die ich als Mediatorin bearbeite. Insgesamt ist die Elder Mediation ein Bereich, der immer bedeutsamer wird, den aber viele Menschen bislang gar nicht kennen.