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Anke B. und Holger Z. haben sich nach zehn Jahren Beziehung getrennt. Während der Beziehung hatte sich das Paar den Dalmatinerrüden Billy angeschafft. Seitdem Herr Z. ausgezogen ist, streiten sie sich, wer nun Billy bekommen soll.

Streit schlichten ohne Gericht

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Anke B. und Holger Z. haben sich nach zehn Jahren Beziehung getrennt. Während der Beziehung hatte sich das Paar den Dalmatinerrüden Billy angeschafft. Seitdem Herr Z. ausgezogen ist, streiten sie sich, wer nun Billy bekommen soll. Herr Z. ist der Meinung, ihm stehe der Hund zu, da er ja schließlich den Kaufvertrag unterschrieben und den Kaufpreis gezahlt habe.

Notfalls wolle er dies gerichtlich durchsetzen. Frau B., die einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht, hat in der Vergangenheit mehr Zeit mit dem Hund verbracht und war für Hundeschule und Tierarztbesuch zuständig. Sie ist der Meinung, Billy müsse bei ihr wohnen, Holger habe für das Tier ja gar keine Zeit. Gespräche fruchten nicht. Im Gegenteil: der Konflikt eskaliert. Eine Situation, die Anke B. sehr belastet.

In einem Internetforum wird sie schließlich auf die Möglichkeit der Mediation aufmerksam. Frau B. ist skeptisch – auch Herr Z. kann sich kaum vorstellen, dass ein unbeteiligter Dritter der Weisheit letzter Schluss sein soll. Weil die Situation jedoch immer belastender wird und schnell eine gute Lösung für Billy gefunden werden muss, beschließen die Beteiligten, es mit einer Mediation zu versuchen.

Zunächst einmal: Was ist Mediation genau?
Vorsicht, jetzt folgen zwei sehr lange Worte: außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren. Da steckt im Prinzip schon alles drin: Wenn zwei sich streiten, muss es nicht zwangsläufig vor Gericht enden – zumal es ja auch viele Konflikte gibt, bei denen keinerlei Verletzung einer Rechtsnorm vorliegt.

Geeignet ist Mediation daher für alle, die sich zerstritten haben und nach einer guten, raschen und unbürokratischen Lösung suchen – ohne wohlgemerkt ein Gericht damit zu befassen. Die Mediation selbst ist kein belangloses „Darüberreden“, sondern ein höchst strukturiertes Verfahren, das zu einem klaren Ziel führt: eine selbstbestimmte Lösung zu finden, die gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet wird. In der Mediation werden die Beteiligten als „Experten ihres Konflikts“ angesehen, die selbst am besten wissen, was für sie gut ist. Am Ende steht eine schriftliche Vereinbarung, die für alle Beteiligten bindend ist.

Was ist die Aufgabe des Mediators?
Der Mediator trägt die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Ablauf des Mediationsverfahrens. Er sorgt etwa dafür, dass alle den gleichen Redeanteil haben, dass die Gesprächsregeln eingehalten werden und ein fairer Umgang miteinander herrscht. Im Gegensatz zu einem Anwalt, der die Rechte von nur einer Partei vertritt, ist der Mediator allparteilich – das bedeutet, dass er für alle Beteiligten gleichermaßen da ist.

Der Mediator unterstützt die Beteiligten in mehreren Sitzungen dabei, herauszufinden, was ihnen bei dem jeweiligen Thema wirklich wichtig ist und welche Aspekte die Lösung des Konflikts beinhalten muss, damit man damit am Ende zufrieden sein kann. Entscheidungen in Bezug auf das Ergebnis der Konfliktlösung trifft der Mediator nicht. Er unterstützt die Beteiligten dabei, eigenverantwortlich eine Lösung zu finden.

Und wie ist das nun mit Frau B., Herrn Z. und Billy?
Im Mediationsverfahren von Frau B. und Herrn Z. wurde geklärt, wo Billy künftig seinen Lebensmittelpunkt haben wird. Zwei Sitzungen bedurfte es, um zu einer Lösung zu gelangen, mit der alle leben konnten. Die beiden konnten sich darauf einigen, dass Billy künftig bei Frau B. lebt.

Herr Z. sah ein, dass er dem Hund aufgrund seines Vollzeitjobs nicht gerecht werden kann. Frau B. erstattete Herrn Z. den Kaufpreis, der bei Billies Kauf anfiel. An zwei Wochenenden im Monat wird Herr Z. Billy künftig zu einem ausgiebigen Spaziergang abholen. Wenn Frau B. ohne Billy in Urlaub fährt, wird sie sich mit Herrn Z. absprechen. Dieser bot an, die Urlaubsvertretung zu übernehmen. Nach dem Mediationsverfahren waren beide Beteiligten sehr froh, für Billy eine gute und tiergerechte Lösung gefunden zu haben.

Wann ist eine Mediation sinnvoll?
Grundsätzlich ist Mediation bei allen Konfliktfällen denkbar. Wichtig ist nur, dass alle Beteiligten bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Jeder muss bereit sein, von den festgefahrenen Mustern abzuweichen, die er im Kopf hat und stattdessen offen sein für neue Lösungen. In der Mediation nennt man diese Erfordernis „Ergebnisoffenheit“.

Weshalb eignet sich Mediation bei Konflikten rund um den Hund?
Die Bandbreite möglicher Konflikte ist schier unendlich und beginnt bereits beim Hundekauf – etwa wenn der Käufer feststellt, dass der neu gekaufte Hund wider Erwarten krank ist. Auch im Hundeverein kommt es häufig zu Konflikten, die die Stimmung verpesten. Sie haben das bestimmt auch schon mal erlebt: Schnell sind die Fronten so verhärtet, dass ein gegenseitiges vorurteilsfreies Zuhören nicht mehr möglich ist.

Auch in Mietshäusern und in der Nachbarschaft kommt es häufig zu Streit, etwa aufgrund von Hundegebell, Hundehaaren im Treppenhaus oder Hundekot im Vorgarten. Nicht selten werden Hunde abgeschafft, da der Vermieter aufgrund von Beschwerden die Genehmigung zur Hundehaltung entzieht.

Am Tierarztbesuch kann sich ebenfalls ein Streit entzünden. Etwa, wenn der Tierhalter der Auffassung ist, dass das Tier aufgrund falscher Diagnose kränker ist als zuvor. Oder es kommt zu einer Rangelei zweier Hunde. Wer bezahlt die Tierarztkosten nach einer Bissverletzung? Gerade wenn es um die Gesundheit des Hundes geht, kochen die Emotionen schnell über. Zu groß ist die Sorge um das Wohlergehen des vierbeinigen „Familienmitglieds“, um noch rational und sachlich zu reagieren.

Oft spitzt sich die Situation so zu, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als vor Gericht zu ziehen. Doch auch langwierige Gerichtsverfahren führen häufig nicht zum gewünschten Erfolg. Dazu kommen die hohen Anwalts- und Gerichtskosten. Nicht zu vergessen die Honorare für Gutachten, die rasch in astronomische Höhe klettern können. In all diesen Fällen und auch bei sonstigen Konflikten rund um den Hund sollte man immer eine Mediation in Betracht ziehen.

Warum macht Mediation gerade bei Konflikten rund um den Hund Sinn?
Konflikte rund um den Hund können sehr schnell zur großen Belastung werden, da einem das Wohl des Tieres natürlich am Herzen liegt. Auch ist der Wunsch nach einer harmonisch verbrachten Freizeit groß, gerade wenn man – wie meistens rund um den Hund – viel Zeit und auch Geld investiert.

Ein weiterer Aspekt, der für die Mediation spricht: Konflikte, die vor Gericht landen, sind oft sehr langwierig. Bei Konflikten rund ums Tier ist der lange Schwebezustand oft weder Mensch noch Tier zumutbar. Je rascher man eine Einigung findet, desto menschen- und tierfreundlicher ist es.

Mediation ist auch gerade dort eine sinnvolle Methode, wo man mit dem Gegenüber noch lange zu tun haben wird, etwa in der Nachbarschaft oder im Hundeverein. Natürlich läuft man sich da auch später noch ständig über den Weg. Ein friedliches Miteinander ist nach einem Gerichtsverfahren oft nicht mehr möglich. Häufig ist eine Mediation, in der man friedlich nach gemeinsamen Lösungen sucht, der sinnvollere und auch nervenschonendere Weg.

Wie finde ich einen geeigneten Mediator?
Auf Tierrecht spezialisierte Rechtsanwälte gibt es in Deutschland sehr viele, auf Mediation rund ums Tier spezialisierte Mediatoren jedoch nur wenige.

Einen qualifizierten Mediator zu finden ist oft nicht einfach, da die Berufsbezeichnung „Mediator“ gesetzlich nicht geschützt ist. Durch das Mediationsgesetzes wurde der Begriff des „zertifizierten Mediators“ einführt. Noch ist unklar, wer sich als „zertifizierter Mediator“ bezeichnen darf. Hierzu ist steht noch der Erlass einer Rechtsverordnung offen, die regelt, wer genau sich als „zertifizierter Mediator“ bezeichnen darf.

Bei der Suche nach einem geeigneten Mediator empfiehlt es sich, im Internet zu recherchieren. Bei den Mediationsverbänden, etwa beim „Bundesverband Mediation“ oder der „Centrale für Mediation“, gibt es Mediatoren-Listen. Auch die Industrie- und Handelskammern führen häufig entsprechende Listen. Mediatoren, die zugleich Anwälte sind, sind meist bei den Rechtsanwaltskammern gelistet. Weitere Listen finden Sie etwa auf „mediator-finden.de“.

Was kostet eine Mediation?
Mediatoren verlangen für ihre Tätigkeit üblicherweise ein Stundenhonorar zwischen 100 und 300 Euro. Die Höhe des Honorars richtet sich nach dem Konfliktgegenstand und der Anzahl der Konfliktbeteiligten. Zur Info: Immer mehr Rechtschutzversicherungen übernehmen auch die Kosten für eine Mediation. Dies ist ein Punkt, auf den man bei Abschluss einer Rechtschutzversicherung achten sollte!

Über mich:
Ich bin Mediatorin und Volljuristin. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an verschieden Universitäten absolvierte ich eine umfangreiche Ausbildung zur Mediatorin an der Universität Heidelberg und dem Heidelberger Institut für Mediation.

Seit einiger Zeit bin ich in eigener Kanzlei als Mediatorin tätig. Meine Arbeitsschwerpunkte sind Mediation im privaten Kontext, z.B. Scheidungs- und Erbmediationen sowie Mediationen im beruflichen Kontext, z.B. bei Teamkonflikten. Als Tierliebhaberin und Hunde- und Pferdehalterin ist mein besonderes Steckenpferd die Mediation rund ums Tier.

Infos: Christina Wenz Mediation, Zollamtstrasse 42, 67663 Kaiserslautern, Telefon: 0631-31054424, Telefax: E-Mail: info@mediation-wenz.de