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Für das Apothekenmagazin "Unsere besten Freunde" stellt Christina Wenz Mediation anhand eines Nachbarschaftsstreits wegen eines Hundes vor.

Immer Ärger wegen Lucky

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Die Wagners* wohnen seit einigen Jahren mit ihrem Hund Lucky in einem Zweiparteienhaus zur Miete. Der Vermieter hatte die Hundehaltung erlaubt – unter der Bedingung, dass es keine Beschwerden gibt. Da Lucky sehr brav ist, läuft alles prima.

Bis der ältere Herr Haffner* in die Wohnung in der ersten Etage einzieht: Von nun an ist es vorbei mit dem Frieden im Haus. Ständig beschwert er sich beim Vermieter über Hundehaare und Hundegeruch im Treppenhaus sowie über Gebell – er lässt kein gutes Haar an dem Hund.

Auch Lucky merkt, dass Herr Haffner etwas gegen ihn hat und bellt ihn an, sobald er ihn im Treppenhaus sieht – die Wagners wissen sich nicht mehr zu helfen. Die ständigen Anfeindungen von Herrn Haffner gehen besonders Frau Wagner so sehr an die Nerven, dass sie kaum noch schlafen kann. Den Hundehaltern erscheint ein Auszug als die einzige Lösung, doch ihr Vermieter hat eine Idee: Er schlägt eine Mediation bei einer erfahrenen Mediatorin vor. Da beide Seiten nervlich durch die Situation sehr angeschlagen sind und wissen, wie schwer es ist, eine alternative Wohnung zu finden, erklären sich alle dazu bereit, es zu versuchen.

In der ersten Sitzung geht es erst einmal hoch her als jeder seine Sicht der Dinge schildert. Aber es gelingt, sich darauf zu einigen, dass folgende Themen besprochen werden sollen: Lärm im Haus, Sauberkeit im Treppenhaus, Umgang der Mitbewohner untereinander und Regelung der Begegnungen zwischen Herrn Haffner und Lucky.

In den folgenden Sitzungen wird genau geschaut, was die Bedürfnisse der Beteiligten zu den einzelnen Themen sind. Bei Familie Wagner stehen der Friede im Haus und ein entspannter Umgang miteinander im Vordergrund. Herrn Haffner wird in den Gesprächen bewusst, wie stark die Familie an dem Hund hängt und wie sehr seine Anfeindungen an den Nerven der Familie zerren.

Es stellte sich heraus, dass Herr Haffner große Angst vor Hunden hat. Der Vermieter hat ihn beim Einzug nicht darüber informiert, dass ein Hund im Haus lebt – den großen Ärger darüber bekamen dann Lucky und die Wagners ab. Als er seine Angst und seinen Zorn offenbart hat, kann er auch zugeben, dass Geruch, Dreck und Gebell eigentlich nicht das Hauptproblem sind – er wollte den Hund einfach loswerden.

In einer schriftlichen, von allen unterzeichneten Vereinbarung einigen sich die Beteiligten schließlich darauf, dass die Wagners künftig zusätzliche Putzdienste im Treppenhaus erledigen, und dass ein Hundetrainer engagiert wird, der vor Ort mit Lucky gegen das Gebell trainiert. Herr Haffner ist bereit, zu einigen Sitzungen dazuzukommen – auch um mit Hilfe des Profis gegen seine Angst anzugehen. Künftig wollen alle nur noch höflich miteinander umgehen.

Als die Mediatorin nach einem halben Jahr nachfragt, erfährt sie, dass sich die Situation im Haus entspannt hat und ein freundlicher Umgang herrscht.

 Autorin: Christina Wenz

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

 

Erschienen in: "Unsere besten Freunde - Das Tiermagazin aus Ihrer Apotheke", Nr. 11/2015, S. 20-21