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Die Tatsache, dass Katzen ihren eigenen Kopf haben und sich gerne selber aussuchen, in welchem Zuhause es ihnen gefällt und wo nicht, kann bisweilen zu bösem Zwist zwischen Nachbarn führen. Auch hier kann Mediation helfen.

Serie: Mediation in der Tierhaltung

„Doppelte Haushaltsführung“ mit Folgen

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Familie G. hat den 12- jährigen roten Kater „Mogli“ aus dem Tierheim geholt. Neben den Eltern und drei Kindern gehört noch die lebhafte Dalmatinerhündin „Mona“ zur bisherigen Familie. „Mogli“ ist stark übergewichtig und darf nach Anweisung der Tierärztin nur Diätfutter fressen. Die ersten Wochen muss „Mogli“ zur Eingewöhnung im Haus bleiben. Die Familie merkt allerdings, dass das Tier phasenweise sehr unzufrieden und unausgeglichen wirkt. Mogli war er sein ganzes Leben -bis auf die Tierheimzeit- Freigänger. Als er nach vier Wochen endlich auch nach draußen darf, hofft die Familie, dass der Kater sich nun endlich gut einlebt. Die ersten Wochen kommt der Kater auch brav jeden Abend ins Haus und hält sich sehr viel im näheren Umkreis seines Zuhauses auf.

Doch nach einiger Zeit fällt der Familie auf, dass „Mogli“ immer seltener in der Nähe des Hauses auftaucht, und auch nachts gar nicht mehr heimkommt. Wenn er dann mal vorbeischaut, ist nicht zu übersehen, dass er merklich zugenommen hat und auch kein Bedürfnis zu bleiben hat. Das Ganze ist der Familie ein Rätsel. Es dauert dann noch einige Wochen bis Frau G. durch Zufall beim Bäcker aufschnappt, dass dem älteren Ehepaar Z. in der Nachbarstrasse eine rote Katze zugelaufen ist.

Handelt es sich dabei etwa um „Mogli“? Dem Verdacht geht Herr G. noch am gleichen Tag auf den Grund. Als er bei dem älteren Ehepaar klingelt und Herr Z. die Tür öffnet, traut er seinen Augen nicht: Schon im Hausflur sieht er den fröhlichen „Mogli“ rumstolzieren. Als er Herrn Z. darauf anspricht, wird dieser direkt ruppig und meint, das sei seine Katze und schlägt dem verdutzten Herrn G. die Tür vor der Nase zu. In den nächsten Tagen versuchen die G.´s noch einige Male vergeblich, Kontakt zu den Z.´s aufzunehmen. Herr G. ist mittlerweile wutentbrannt – Er plant den Gang zum Anwalt: So geht das nicht - Er möchte seinen Kater zurück!

Als er einer Nachbarin davon erzählt, berichtet ihm diese, dass die Z.s sehr wohl wissen, dass die Katze nicht ihnen gehört, dass sie aber einfach mittlerweile extrem an dem Tier hängen. Sie macht den Vorschlag, man solle es doch mit einer Mediation probieren und bietet an, mit den Z.s darüber zu sprechen.

Eine Woche später finden sich alle Beteiligten tatsächlich im Büro einer Mediatorin ein. Anfangs ist das ältere Ehepaar sehr schweigsam, Herr G. dafür umso wütender und lauter. Im Laufe des Mediationsverfahrens räumen die Z.s ein, dass der Kater ihnen nicht gehört. Die Mediatorin hilft Schritt für Schritt allen Beteiligten, herauszufinden, was Ihnen in Bezug auf eine Lösung wichtig ist. Die Z.s hängen extrem an dem Kater und möchten sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Er ist „ihr“ einziges Tier und mittlerweile extrem auf das Paar bezogen. Er scheint tatsächlich den ruhigen Haushalt dem turbulenten Haushalt der G.s vorzuziehen. Die Situation entspannt sich, als die G´s erfahren, dass das komische und unhöfliche Verhalten des älteren Paares auf panischer Angst, das Tier abgeben zu müssen, beruht. Für sie steht das Wohl des Tieres definitiv an erster Stelle. So kommt es schon nach zwei Sitzung zu einer Einigung: „Mogli“ darf in seinem „Wahlzuhause“ bei den Z´s bleiben. Dafür verpflichten sich diese, die Schutzgebühr, die die G´s an das Tierheim gezahlt hatten, diesen zu erstatten. Auch verpflichten sie sich dazu, künftig „Mogli“ strikt nach den Anweisungen der Tierärztin zu füttern. Familie G. möchte einer anderen Katze aus dem Tierschutz ein Zuhause bieten – Einer jungen Katze, die besser in den großen und turbulenten Haushalt passt.

 

Über die Autorin

Christina Wenz ist Mediatorin, Juristin und Konfliktcoach. Sie hilft ihren Klienten dabei, in Streitsituationen friedliche Lösungen zu finden. Neben Mediation in Familien und in der Arbeitswelt ist ihr besonderes Steckenpferd die Mediation bei Streit rund ums Tier.

 Erschienen in: "Unsere besten Freunde - Das Tiermagazin aus Ihrer Apotheke", Nr. 03/2016, S. 20-21