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Frau Renate S. hält ihren fünfjährigen Bordercolliemischling Jack in einer Mietwohnung. Der Vermieter hatte ihr die Haltung des Hundes genehmigt - unter der Bedingung, dass sich die anderen Hausparteien nicht beschweren.

Wie Konflikte auch ohne Gericht gelöst werden können

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Frau Renate S. hält ihren fünfjährigen Bordercolliemischling Jack in einer Mietwohnung. Der Vermieter hatte ihr die Haltung des Hundes genehmigt - unter der Bedingung, dass sich die anderen Hausparteien nicht beschweren. Jahrelang lief alles prima. Vor einigen Monaten ist allerdings die Familie C. in das Haus eingezogen. Seitdem kommt es ständig zu Reibereien.

Familie C. und auch eine weitere Familie haben sich schon beim Vermieter wegen häufigen Hundegebells und der Hundehaare im Treppenhaus beschwert. Frau S. ist der Meinung, dass Familie C. Stimmung im Haus gegen sie macht, da die Tochter der Familie panische Angst vor Jack hat. Der Vermieter hat schon angekündigt, dass ihm der Ärger langsam zu viel wird und er Renate S. die Genehmigung zur Hundehaltung entziehen möchte. Diese ist verzweifelt und zieht in Erwägung, vor Gericht zu ziehen. Da entdeckt sie in einer Zeitschrift einen Artikel über Mediation. Vielleicht gelingt es mit diese Methode ja, die Spannungen im Haus zu beenden? Sie beschließt, mit ihrem Vermieter darüber zu sprechen.

Nachdem der Vermieter das Ganze einen Versuch wert findet und auch die übrigen Hausmitglieder zu einem ersten Termin mit der Mediatorin überreden kann, finden sich alle Beteiligten im Büro der Mediatorin wieder. Hier bekommt zunächst jeder die Möglichkeit, im geschützten Rahmen über seine Sicht der Dinge zu sprechen. Dabei geht es Anfangs recht heftig zur Sache; die Emotionen aller Beteiligten sind schon sehr hochgekocht. Nachdem allen Anwesenden klar geworden ist, was eine Mediation genau ist, und dass es vor allem darum geht, eine Lösung zu finden, mit der alle gut leben können, ist man sich einig, sich ernsthaft auf dieses Konfliktlösungsverfahren einzulassen.

In der zweiten Hälfte des ersten Termins werden noch die Themen erarbeitet, über die in der Mediation gesprochen werden soll. Diese sind: Sauberkeit im Treppenhaus, Umgang mit Hundegebell und Schutz von Hausmitbewohnern mit Hundeangst.

Zwei weitere Sitzungen sind erforderlich, um zu einer Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten gut leben können. Die Mediatorin unterstützt hierbei jeden einzelnen für sich herauszufinden, was ihm bei den jeweiligen Themen besonders wichtig ist.

Das Tier hat im Leben vieler Menschen einen großen emotionalen Stellenwert; es ist gewissermaßen Familienmitglied. In einer Mediation kann nun genau dieser emotionale Faktor berücksichtigt werden, was etwa im Gerichtsverfahren bei reiner Gesetzesanwendung nicht immer der Fall ist. In der Mediation können die Bedürfnisse der Menschen, aber auch das Wohl des Tieres Beachtung finden.

Bei Frau S. stand natürlich die Panik im Vordergrund, ihren geliebten Hund abgeben zu müssen. Sie möchte aber auch einfach mit gutem Gefühl durchs Treppenhaus laufen können. Diesen Wunsch hatte Familie C. natürlich auch - vor allem aufgrund der Angst ihrer Tochter. Die Kleine hatte sich oft schon gar nicht mehr vor die Tür getraut, was Frau S., als sie dies hörte, auch sehr leidtat.

In der Vereinbarung, mit der die Mediation abgeschlossen wurde, erklärte sich Renate S. zu zusätzliche Putzdiensten im Treppenhaus bereit. Auch wird sie, um Gebell zu vermeiden, Jack künftig nicht mehr länger als zwei Stunden allein in der Wohnung lassen, sondern mitnehmen oder zu ihrer Tochter bringen, die in der Nähe wohnt. Als sie dann auch noch dazu bereit war, mit der kleinen Tochter der Nachbarn gemeinsam mit dem kinderlieben Jack gegen die Hundeangst anzugehen, waren die Eltern sehr gerne zum Begraben des Kriegsbeils und Rückzug sämtlicher Beschwerden beim Vermieter bereit. Danach waren sich alle einig: Jack darf unter den neuen Bedingungen bleiben.

Gerade in Situationen, bei denen man noch lange miteinander zu tun haben wird, wie etwa bei Konflikten in der Nachbarschaft oder im Hundeverein, sollte man immer an eine außergerichtliche Lösung denken. Nach einem Gerichtsverfahren ist’s mit dem friedlichen Miteinander nämlich oft sehr schnell vorbei. Verständlich: Hier gibt es oft einen Gewinner und einen Verlierer.. Im Gegensatz zu Mediation, wo es erfreulicherweise nur Gewinner gibt. Man kann sich also nach dem Verfahren noch in die Augen schauen. Wie in unserem Fallbeispiel: Auch Monate nach der Mediation herrscht Friede im Haus und Frau S. ist glücklich, dass sie weiterhin mit ihrem Jack zusammenwohnen darf. Die kleine Tochter der Nachbarn hat der Mischlingsrüde übrigens mittlerweile komplett um die Pfote gewickelt.

Infos: Christina Wenz Mediation, Zollamtstrasse 42, 67663 Kaiserslautern, Telefon: 0631-31054424, Telefax: E-Mail: info@mediation-wenz.de