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In der Juli-Ausgabe ihrer Kolumne im Apothekenmagazin "Unsere besten Freunde" schreibt Christina Wenz diesmal über einen Streit im Pensionsstall.

Ungewöhnlich einig

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Renate B. hat ihren Holsteinerwallach Caruso seit einigen Jahren in einem Pensionsstall eingestellt. Sie hatte sich zuvor einige Ställe im Umkreis angeschaut aber dieser kam ihren Ansprüchen einfach am nächsten. Doch die Probleme ließen nicht lange auf sich warten.

Von einer Freundin bekommt sie immer wieder den Tipp, Frau K. doch einfach rauszuwerfen, damit der Ärger ein Ende hat, aber Caruso zuliebe bringt sie das nicht übers Herz.

Irgendwann ist Frau B. die Diskussionen so leid, dass sie den gemeinsamen Gang zu einer Mediatorin, die sich auf Streit rund ums Tier spezialisiert hat, vorschlägt, um endlich eine verbindliche Einigung zu finden. Frau K. ist ein- verstanden, sie hofft, dass so endlich wieder Ruhe im Stall einkehrt.

Immer und immer wieder kommt es zu zermürbenden Diskussionen zwischen ihr und der – eigentlich sehr gutmütigen – Stallbesitzerin Claudia K. Frau B. möchte, dass Caruso täglich auf die Weide kommt, was aber leider nicht der Fall ist. Auch möchte sie, dass er das Heu angefeuchtet bekommt und dass die Box abends vorm Schlafen noch einmal durchgemistet wird. Sie ist der Meinung, dass das doch wirklich wenige „Sonderwünsche“ seien, die man ja wohl erfüllen könne. Immer wieder redet sie auf Frau K. ein, die auch immer wieder verspricht, Ihr Bestes zu tun. Insgeheim traut sich die Stallbesitzerin jedoch des lieben Frieden willens nicht, der resoluten Frau B. Paroli zu bieten.

In zwei Sitzungen mit der Mediatorin finden die beiden Damen eine gute Einigung, die allerdings anders aussieht, als üblicherweise zu erwarten wäre. In der Mediation erfährt Frau B., dass es Frau K. wirklich nicht möglich ist, jedes Pferd täglich rauszulassen, da Sie nur eine sehr kleine Koppel hat und alle Pferdebesitzer wollen, dass ihre Tiere rauskommen. So hat sie ein Rotationssystem entwickelt, was sich nun auch für Frau B. vernünftig anhört. Bisher hatte sie nur die Bedürfnisse ihres eigenen Pferdes gesehen. Als Frau K. ihr die tatsächlichen Kosten der Versorgung eines Pferdes vorrechnet, ist sie sehr er- staunt, dass Frau K. kaum ein„Lohn“ für die viele Arbeit übrig bleibt. Da kann sie natürlich verstehen, dass Sonderwünsche ungerne zusätzlich ausgeführt werden. Auch fehlt Frau K. bei all der Arbeit im Stall dafür einfach die Zeit.

Frau K. versteht andererseits natürlich, dass Frau B. die bestmögliche Versorgung für Caruso wünscht und dass es sie frustriert, dass man in Pensionsställen nicht immer Entscheidungsbefugnis hat.

Als es an die Lösungssuche geht, wird schnell klar, dass ein dauerhaftes Bleiben im Stall von Frau K. nicht sinnvoll, aber auch ein Wechsel in einen anderen Pensionsstall schwer denkbar ist. Es kristallisiert sich heraus, dass Frau B. eigentlich schon immer davon geträumt hat, Caruso genau nach ihren Vorstellungen selbst zu versorgen und dass dies die beste Lösung ist.

So vereinbaren die Frauen, dass Frau B. den Stall in Frieden verlassen wird, aber erst dann, wenn sie eine Möglichkeit gefunden hat, Land zu pachten, auf dem sie Caruso und das Pferd einer Freundin in Eigenregie halten wird. Frau K. möchte ihr bei der Suche helfen und ein paar Bauern, von denen sie Heu bezieht, nach Pachtland fragen. Wenn der Stall in der Nähe liegt, darf Frau B. sogar ihre Reithalle weiterhin benutzen. Bis Pachtland gefunden ist, wird Frau B. die Bedingungen im Stall akzeptieren.

Beide Frauen sind über die Lösung sehr froh und halten den Kontakt auch noch als Caruso ein halbes Jahr später in den neuen Stall umzieht. Frau B. steht Frau K. gerade in der Anfangszeit der Pferdehaltung mit Rat und Tat zur Seite.

 

Erschienen in: "Unsere besten Freunde - Das Tiermagazin aus Ihrer Apotheke", Nr. 07/2016, S. 12-13